» Fürstbischöfliche Landesburg Nienborg um 1360 «

Hermann II von Katzenelnbogen, der erste Fürstbischof von Münster, gründete 1198 auf einer flachen Sanddüne (etwa 340 mal 180 Meter) in der sumpfigen Dinkelniederung seine neue Burg (castrum novum). Mit dieser Burg beabsichtigte er seinen Machtbereich im Nordwesten des Bistums gegen die Edelherren von Ahaus, Horstmar, Steinfurt und Bentheim abzusichern.

Modell

Schnell entwickelte sich die Ringmauerburg (ca. 2,3ha) zur mächtigsten Landesburg im Fürstbistum. Zeitweise waren bis zu 40 Burglehen mit Vasallen und Dienstleuten des Bischofs besetzt. Es gehörte zu deren Pflichten, die neue Burg und den im Mittelalter bedeutenden Handelsweg von Münster über Nienborg nach Deventer zu verteidigen und zu sichern.
Unter- und Oberburg umgaben eine ca. 8 Meter hohe Sandsteinmauer, ein etwa 15 Meter breiter Graben und ein Wall mit einer undurchdringlichen Hecke.
Heute erinnern Markierungen im Straßenpflaster an den Verlauf der Burgmauer, deren ca. 3 Meter dicke Fundamente noch am Hohen Haus erkennbar sind.

Vor der Burg entstand eine städtische Siedlung, die durch einen Graben, einen Wall und durch Palisaden geschützt war. Wehre regulierten den Wasserstand des Burggrabens. Der Zugang zum Innenbereich sicherte eine von Türmen flankierte Doppeltoranlage und eine Zugbrücke. Pförtnerhaus, Waffenkammer, Gerichtslinde, Burgkapelle und Schule vervollständigten den inneren Burgbereich. Auf dem großen freien Platz – dem Tunierplatz der Burgmannen – steht heute die Pfarrkirche St. Peter und Paul.
Am Tisch unter der Gerichtslinde wurden Todesurteile gefällt, deren Vollstreckung belegt ist. Im 15. Jahrhundert verlor die Burganlage allmählich ihre strategische Bedeutung. Die durch kriegerische Einwirkung beschädigten Befestigungsanlagen wurden als Steinbruch genutzt und verfielen nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Die von dem Historiker Josef Wermert recherchierten Daten ermöglichten dem Vorsitzenden des Heimatvereins Nienborg, Theo Franzbach, ein dreidimensionales Computermodell der Anlage zu entwickeln. Burg und Stadt konnten auf diese Weise digital rekonstruiert werden. Zusätzlich wurde es möglich, theoretische Aussagen einer „Machbarkeitsprüfung“ zu unterziehen. Das Rechnermodell nutzte der ausführende Künstler Michael Franke als Grundlage für seine Arbeit.

Burgmodell

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Der Standort zwischen Burgtor und Kirche mit dem steinernen Denkmal für den Burggründer Fürstbischof Hermann II. ist mit Bedacht gewählt worden, da von hier aus die Gesamtanlage der früheren Burg zu überblicken und mit dem Modell in Beziehung zu setzen ist.

Plakette2

In einer Feierstunde konnte am 7.Sept. 2013 das Bronzemodell der Öffentlichkeit übergeben werden.

Vergl.
Josef Wermert: „Heek und Nienborg“ 1998, S. 245 ff;
Erläuterungen der Infotafel neben dem Burgmodell