Pfostenhaus_2

Als in der Ammerter Mark Mitte der 1980er Jahre erste Probegrabungen im Vorfeld der Errichtung der A 31 gemacht wurden, war weder abzusehen, welche wissenschaftlich wertvollen Erkenntnisse in der Folge hier gewonnen werden konnten, noch, in welche Richtung die weitere Entwicklung des Gebietes gehen sollte.
Bis dahin war an dieser Stelle lediglich ein größeres Gräberfeld der Bronze- u. Eisenzeit bekannt.
Überraschenderweise wurden bei den Untersuchungen im Zuge des Autobahnbaus in der Ammerter Mark auch zahlreiche Erdgräber der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur (ca. 3000 v. Chr.) entdeckt. Die Gräber dieser ersten Ackerbauern waren in der Regel mit verzierten und unverzierten Gefäßen, Steinbeilen und gelegentlich auch mit Bernsteinperlen ausgestattet.
Unerwartet und von überregionaler Bedeutung war aber die Aufdeckung zeitgleicher Siedlungsspuren. So konnten hier die ersten Hausgrundrisse der Trichterbecherkultur in Westfalen ergraben werden.
Noch vor Beendigung der Ausgrabungen veranlaßten die bedeutenden Grabungsergebnisse das Amt für Bodendenkmalpflege Münster dazu, ein ca. 70 ha großes Gebiet als Bodendenkmal zunächst unter vorläufigen Schutz zu stellen. Bereits im Oktober 1989 wurden ca. 53 ha der betroffenen Flächen aufgrund einer Ministerentscheidung als ortsfestes Bodendenkmal eingetragen. Später konnte das Amt für Agrarordnung weitere 13 ha westlich der Autobahn zusätzlich erwerben und den vorhandenen Flächen hinzufügen.
Mit der Unterschutzstellung setzten zugleich Überlegungen ein, wie dieses große, denkmalschutzwürdige Areal auf Dauer gesichert werden könne. Am erfolgversprechendsten erwies sich die Idee, die betreffenden Flächen aus privater Hand in öffentliches Eigentum zu überführen. Schließlich gelang es, dass das Areal auf Antrag des Heimatvereins Nienborg e.V. von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Naturschutz, Heimat- u. Kulturpflege erworben werden konnte.
Die Betreuung der Flächen wurden der Biologischen Station Zwillbrock übertragen, die ihrerseits unter Berücksichtigung aller Interessen ein Konzept für die zukünftige Nutzung in Form eines Biotopmanagements entwickelte. Hauptaugenmerk der mit dem Plan verbundenen Maßnahmen bleibt aber, daß die archäologisch bedeutsamen Flächen geschützt werden und die Nutzung von denkmalpflegerischen Gesichtspunkten bestimmt wird.
Um das äußerlich wenig spektakuläre Bodendenkmal interessierten Besuchern näher zu bringen, bot es sich an, im Randbereich eine 1:1 Rekonstruktion eines steinzeitlichen Gebäudes zu errichten, das im wesentlichen auf den Grabungsergebnissen in der Ammerter Mark basiert.
Die Rekonstruktion basiert auf einem ca. 19 m langen und ca. 4,7 m bis 5,35 m breiten, leicht trapezförmig zulaufenden Grundriß. Das Gebäude erreicht auf der einen Giebelseite eine Höhe von etwa 4,6 m, auf der gegenüberliegenden, schwach geneigten Seite ca. 3,9 m. Die Gebäudehöhen sind dabei aus den jeweiligen Pfostenabständen, der anzunehmenden Mindesthöhe der Außenwände sowie der notwendigen Dachneigung von 45 Grad ermittelt worden. Mit dem Übergang des Bodendenkmals Ammerter Mark in das Eigentum der Nordrhein-Westfalen-Stiftung und den jetzt eingeleiteten Gestaltungsmaßnahmen, die dem Bodendenkmalschutz und dem Naturschutz gleichermaßen gerecht werden, wurde im Norden des Kreises Borken die Grundlage geschaffen, daß sich hier in Zukunft ein Gebiet entwickeln kann, das dem Menschen stille Erholung und der Natur eine geeignetes Refugium bietet.